Was sind Anlagemarktplätze?

Wir erklären Zinspilot, WeltSparen und Check24

In unserem Tagesgeldvergleich werden viele Konten vorgestellt, die auch oder nur über einen Anlagemarktplatz eröffnet und geführt werden können. Was sind das für Anlagemarktplätze, warum können einige der Konten ausschließlich darüber eröffnet werden und was sind die Vor- und Nachteile dabei?

Um konkret zu werden, handelt es sich bei den Anlagemarktplätzen, deren Produkte in unserem Tagesgeldvergleich aufgeführt sind, um Zinspilot, WeltSparen und Check24. Während Check24 durch seine regelmäßige Präsenz in Funk- und Fernsehen vielen bekannt sein dürfte, sind die anderen beiden Anbieter für viele sicher deutlich unbekannter. Wer sich schon länger mit Tages- und Festgeldern beschäftigt, für den werden allerdings auch diese Anbieter kein unbeschriebenes Blatt mehr sein.

Aber zunächst ein wichtiger Hinweis vorweg: Dieser Artikel soll weder Werbung für noch gegen die vorgestellten Anlagemarktplätze sein. Stattdessen wollen wir (wie immer) so transparent und neutral wie möglich über diese Art der Geldanlage informieren.

Die Macher hinter den Anlagemarktplätzen

Die wichtigste Information ist wohl, wer eigentlich hinter den Marktplätzen steckt. Bei den drei genannten sind das zwei Banken. Denn WeltSparen und Zinspilot sind mittlerweile zwei Marken einer Bank. WeltSparen ging 2013 als Online-Plattform der Raisin Bank, die nach eigenen Angaben erst ein Jahr vorher, nämlich 2012, gegründet wurde, an den Start. Zinspilot war wiederum eine Marke der 2011 gegründeten Deposit Solutions. 2021 fusionierten beide Banken zur Raisin DS (das DS stand für Deposit Solutions) bzw. zwischenzeitlich zur Raisin Bank AG. Bei Check24 steckt dagegen die 2020 selbst gegründete C24 Bank dahinter.

Beide Banken, Raisin und C24, besitzen eine Vollbanklizenz. Das Geschäftsmodell der Banken besteht jedoch mehr oder weniger in der Vermittlung und Abwicklung von Finanzprodukten anderer Banken. Über ihre Anlagemarktplätze werden also insbesondere Produkte anderer Banken (nennen wir sie Partnerbanken) angeboten. Die Idee dahinter ist, das die Produkte der Partnerbanken bislang nicht für deutsche Privatanleger verfügbar sind. Es handelt sich also vornehmlich um Banken die im (europäischen) Ausland sitzen und für den Markteintritt in Deutschland entsprechende Maßnahmen unternehmen müssten. Unter anderem müsste ein deutschsprachiger Support eingerichtet werden.

Wie funktioniert das Ganze?

Der Vorteil ist nun, dass sowohl die Raisin als auch die C24 bereits zugelassene Banken in Deutschland sind und einen deutschen Support anbieten. Eröffnet ein Anleger nun ein Konto bei einer Partnerbank, passiert eigentlich Folgendes.

Der Anleger eröffnet ein Konto bei der deutschen Bank des Anlagemarktplatzes. Hierfür muss er sich registrieren und identifizieren lassen. Diesen Aufwand hat er damit genau einmal. Nachdem er sein Geld nun auf das Konto bei der Bank des Anlagemarktplatzes eingezahlt hat, kann er die Bank nun anweisen, sein Geld bei einer (oder auch gleich mehreren) Partnerbank(en) anzulegen.

Diese Anlage passiert aber nun direkt zwischen den Banken. Der Vorteil für die Partnerbank ist dabei, dass sie ihre Produkte nicht selber für den deutschen Markt anmelden muss und sie sich außerdem die teure Abwicklung mit dem Kunden spart. Das übernimmt alles die Bank des Anlagemarktplatzes. Diese bekommt dafür im Gegenzug eine Provision. Eine kleine Ausnahme bei diesem Verfahren zeigt der Anlagemarktplatz Zinspilot. Dieser wickelt seine Kundengeschäfte nicht über die hausgeigene Raisin Bank ab, sondern über die hamburger Privatbank Sutor Bank. Hierfür erhält die Sutor Bank eine feste Kontoführungsgebühr. Der Rest des Prozesses ist aber relativ identisch.

Vor- und Nachteile

Der Vorteil für den Anleger ist, dass dieser über die Anlagemarktplätze an Finanzprodukte kommt, auf die er sonst keinen Zugriff hätte. Diesen Vorteil erkauft sich der Anleger aber mit seinen Zinsen. Denn es ist davon auszugehen, dass in den Zinssätzen die dem Anleger angeboten werden, die Kosten für die Provisionen bereits herausgerechnet wurden. Hier steht nun ein klarer Vorteil (Anleger kann auf sonst nicht erreichbare Finanzprodukte zugreifen) einem klaren Nachteil (Anleger “bezahlt” für diese Möglichkeit eine Vermittlungsprovision) gegenüber. Auch das soll weder eine Wertung für oder gegen das Prinzip des Anlagemarktplatzes sein, sondern lediglich die Mechanismen transparent darstellen.

Ein weiterer Vorteil für den Anleger ist, dass er seine Finanzgeschäfte mit all den Partnerbanken über einen zentralen Zugang abwickeln kann. Er spart sich also mehrfache Kontoeröffnungen bei all den Partnerbanken. Das wickelt für ihn alles die Bank des Anlagemarktplatzes ab. Dadurch steigt auch die Möglichkeit, schnell die Partnerbank zu wechseln, sollte eine andere höhere Zinsen anbieten. Bei üblichen Tagesgeldkonten müsste dagen jedesmal ein neues Kontoeröffnungsverfahren durchlaufen werden. Die Anlagemarktplätze bieten damit auch eine gute Möglichkeit, um das Anlagevermögen auf viele Banken zu verteilen, um das Risiko von Verlusten möglichst breit zu streuen (mehr dazu in einem späteren Artikel über “Diversifikation”).

Zusammenfassung

Die Anlagemarktplätze sind also im Grunde nichts anderes als ein zentraler Abwickler von Spareinlagen. Dafür greifen sie selbst wiederum auf Banken zurück, die die Finanztransaktionen für sie abwickeln. Über die Anlagemarktplätze sind oft Sparprodukte verfügbar, die für den gewöhnlichen deutschen Privatanleger sonst nicht verfügbar wären. Dafür muss man im Gegenzug akzeptieren, dass auch der Anlagemarktplatz für seine Dienstleistungen Geld bekommen möchte und davon auszugehen ist, dass dies letztlich durch (leicht) reduzierte Zinssätze für den Anleger gemacht wird. Dafür hat man bei einem Anlagemarktplatz deutlich flexibler die Möglichkeit, sein Geld auf andere Sparprodukte umzuschichten, da weitere aufwändige Kontoeröffnungsverfahren entfallen. Das ermöglicht einem auch die einfache Verteilung seines Geldes auf mehrere Konten, um das Risiko von Verlusten zu minimieren. Die Gewichtung dieser Vor- und Nachteile muss jeder für sich treffen. Anlagemarktplätze sind einfach eine etwas andere Form für Geldanlagen und haben ihren Platz in der Finanzwelt mittlerweile mehr als etabliert.

Übersicht

Vorteile Nachteile
Anlagemarktplätze ermöglichen Zugriff auf Sparprodukte, die sonst im deutschen Markt nicht verfügbar wären. Die Provisionen, die der Anlagemarktplatz für die Vermittlung der Sparprodukte erhält, sind in den Zinsen für den Anleger einkalkuliert.
Schneller Wechsel von Sparprodukten (und damit auch einfache Diversifikation) möglich Ggf. eigene Bedingungen bei der Kontoführung (bei Zinspilot ist es etwa nur möglich, zu zwei festen Zeitpunkten im Monat Geld aus den Sparkonten auszahlen zu lassen)
Nur eine Kontoeröffnung über den Anlagemarktplatz notwendig
Nur ein Online-Zugang notwendig, um auf alle Sparkonten zugreifen zu können

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